Bimail – Bibel für Wagemutige

Bimail

Das Team um P. Georg Sporschill SJ greift für jede Woche im Jahr
einen Satz aus der Bibel heraus. Das Wort wird erklärt und
durch Erfahrung veranschaulicht. Bimails sind Bibelworte
für unsere Zeit: keine Predigten, sondern Anleitungen
zum Weiterdenken.
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19. April 2019
von Ruth Zenkert
Energien fließen in neues Land

Eine Aufgabe ist getan, was kommt Neues? An welcher Klippe bekommt mein Leben einen neuen Sinn?

Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert; dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen.
Gen 2,10

Eine Aufgabe ist getan, was kommt Neues? An welcher Klippe bekommt mein Leben einen neuen Sinn?

Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert; dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen.
Gen 2,10

Schwer konnte man einen Termin mit Sebastian finden, weil er ganz für seine Arbeit lebte. Aufgrund seiner unglaublichen Energie wurde alles ein Erfolg, das er anpackte. Es gelang ihm sogar irgendwie, eine gute Ehe zu führen und für seine vier Kinder ein fürsorglicher Vater zu sein. Und plötzlich war alles aus. In der Bank, wo er eine führende Position hatte, wurden Bereiche zusammengelegt, wider Erwarten war er wegrationalisiert. Nachdem er den Schock verkraftet hatte, begann Sebastian, die Chance zu nutzen und vieles zu tun, wozu er die letzten dreißig Jahre keine Zeit gehabt hatte. Er achtete auf seine Gesundheit, begann mit Sport und Erholung. Lesen, Theater, Kino – neue Welten taten sich ihm auf, die er nicht mehr wahrgenommen hatte. Und es begann wieder in ihm zu kribbeln. Sebastian ist ein Mensch, der gerne etwas in Bewegung setzt. Doch nun sollte es nicht für eine Firma sein, die ihn eines Tages wieder gnadenlos hinaussetzen würde. Dankbarkeit ist in dieser Welt keine Kategorie. Sebastian erinnerte sich an die Freundschaft mit uns und kam auf Besuch nach Hosman. Wir redeten über die Entwicklung des jungen Werkes und alle Hürden, mit denen wir zu kämpfen hatten. Sein Kribbeln wurde stärker: Alle Erfahrung aus seinem Job konnte er hier teilen. Sebastian sah die Notwendigkeit, öfter zu kommen. Sein Wissen und seine Fähigkeiten fielen auf fruchtbaren Boden. Was er im Großen erreicht hatte, konnte er in dem kleinen Projekt leicht einsetzen. Nicht nur organisatorische Fragen packten wir an, auch die pädagogischen und musikalischen Bereiche gewannen an Wert. Uns was tat sich bei Sebastian selbst? Was hatte ihn so angezogen? Er hatte Freunde gefunden. Andere, als er sie bisher gehabt hatte, geschäftsorientierte Beziehungen, die nur auf Themen der Firma fokussiert waren. Jetzt fand er Menschen mit spannenden Geschichten, denen er helfen konnte, die aber auch ihm Lebensqualität gaben, einen Sinn, einen neuen Reiz. Er war dankbar, dass er aus seinem Reichtum geben konnte, und er spürte, dass er sogar noch viel mehr zurückbekam. Es entwickelte sich eine wertvolle Zusammenarbeit, zum Wohl von vielen Menschen in Not.

Sebastians Energien fließen wie der Strom, der in Eden entspringt und zuerst den Garten, den Gott den Menschen anvertraut, bewässert. Der Wasserreichtum oder die Kräfte sind vom Luxusgarten – griechisch Paradies – nicht erschöpft, sondern strömen über und weiter in alle Himmelsrichtungen. Der Strom teilt sich in vier Hauptflüsse, er vermehrt sich, um die ganze Erde zu erfüllen. Vier symbolisiert die Vollkommenheit: vier Jahreszeiten, vier Himmelsrichtungen, vier Elemente und – damals – vier Erdteile. Sebastian hat in „seinem Garten“ – Beruf und Familie – alles erreicht. Der Einbruch in seiner Karriere bot für seine Energien, sein Können und seine Erfahrungen ein neues Betätigungsfeld. Seine überströmenden Kräfte kommen jetzt Menschen zugute, die nicht bezahlen können. Und er erlebt, wie trockenes Land fruchtbar wird. Manch unbetreutes Kind geht jetzt in die Schule.

Eine Aufgabe ist getan, was kommt Neues? Wo vermehren sich meine Energien? An welcher Klippe bekommt mein Leben einen neuen Sinn?

12. April 2019
von Josef Steiner
Von der Lust auf Leben und vom Mut, Neues zu denken

Das zeichnet besondere Menschen aus. Wer fällt mir dazu ein?

Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzuschauen und köstlich zu essen, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
Gen 2,9

Das zeichnet besondere Menschen aus. Wer fällt mir dazu ein?

Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzuschauen und köstlich zu essen, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
Gen 2,9

Er war ein besonderer Mensch. Er liebte das Leben und genoss es in vollen Zügen. Er tauchte ein in die lange Ausbildung und das streng geregelte Leben einer Ordensgemeinschaft. Die Aufgaben, die ihm die Ordensleitung übertrug, ging er mit Elan an. Vor nichts und niemand hatte er Berührungsangst, weder vor den wilden Burschen in einem Heim für Schwererziehbare noch vor einer mühsam zu bändigenden Schulklasse im Gymnasium oder vor fragenden und manchmal provozierenden Studenten auf der Universität. Als einfühlsamer Seelsorger und kluger Pädagoge bewahrte er gefährdete Jugendliche und Menschen in Lebenskrisen vor Abstürzen und Irrwegen. Als Bibelschullehrer und Dozent führte er zehn Jahre lang ein bewegtes Leben zwischen Israel, der Türkei und Deutschland. Zweimal im Jahr verbrachte er jeweils drei Monate in intensivster Nähe und Gemeinschaft mit jungen Menschen, geprägt von schönen Erlebnissen, abenteuerlichen Reisen und gruppendynamischen Konflikten.
Dann ein Einschnitt. Getrieben von der Sehnsucht nach Liebe, Frauen und Kindern wechselte er die Lebensform. Er wagte den Schritt in die Ehe mit einer dreißig Jahre jüngeren Frau, wissend um die mit zunehmendem Alter immer härter werdenden Herausforderungen. Zwei Kinder, eines hörgeschädigt, eröffneten neue Dimensionen täglicher Verantwortung. Um seiner Berufung als Seelenführer und biblisch orientierter Priester treu zu bleiben, wechselte er auch die Konfession und wurde einer evangelischen Gemeinde ein guter Pastor. In den letzten Jahren seiner immer stärker werdenden Demenz waren Frau und Kinder liebevolle und diskrete Stützen und Begleiter.

Er war ein besonderer Mensch. Er liebte die Erkenntnis und suchte sie in der Bibel. Er erkannte die Zeichen der Zeit. Er sah die Gefahr, dass ein Christentum, das sich – wie im Laufe der Geschichte öfter geschehen – von der Wurzel der Bibel trennt, jede Leben gestaltende Kraft verliert und zu einem absterbenden und unfruchtbaren Baum wird. Ein Christentum, getragen nur noch von dogmatischen Formeln, moralischen Forderungen und ängstlichen Strukturen. Er aber betrat Neuland und öffnete jenseits von dogmatischem Denken das Tor zur Bibel als dem allen Völkern geschenkten Buch des Lebens. Noch während seines Studiums sammelte er Gleichgesinnte, um diesen notwendigen Paradigmenwechsel in der Interpretation der Bibel einzuleiten. In seinen Bibelschulen stellte er seinen Zugang auf ein breiteres Fundament. Fast tausend, vorwiegend junge Menschen nahm er in zehn Jahren auf ein dreimonatiges Abenteuer mit, um in einer Lebens- und Lerngemeinschaft einmal die gesamte Bibel zu durchwandern – leibhaftig, spirituell, existentiell. Sein großes Lebenswerk.

Er, Wolfgang, hat das Angebot Gottes angenommen, dass in der Mitte des Paradieses zwei Bäume stehen, beide eine besondere Augenweide und ein Gaumenschmaus. Von beiden Bäumen kostete er im Übermaß und genoss deren Früchte. Die Lust auf Leben und der Mut, Neues zu denken, sind sein Testament.

5. April 2019
von Ruth Zenkert
Wo ist dein Ort der Wonne?

Wo fühlst du dich wohl? Wie sieht dein Zuhause aus?

Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.
Gen 2,8

Wo fühlst du dich wohl? Wie sieht dein Zuhause aus?

Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.
Gen 2,8

Als wir aufbrechen, ruht das Dorf noch in Nebelschwaden. Wir sind eine lustige Truppe: Mitarbeiter, Volontäre und Kinder. Auf dem Weg schließen sich noch einige an, die gerade herumstehen, Kinder aus verwahrlosten Familien, verwildert, keiner kümmert sich um sie, sie kommen einfach mit. Im Rucksack haben wir Wasser, Brot und Würste. Unser Ziel ist die „Cabana“, eine Hütte am Hügel über dem Dorf. Die Kleinen springen übermütig vor und zurück. Zwei Füchse mit dicken roten Schwänzen kommen aus den Büschen, erschrecken und laufen davon. Unser Hund Buli beschleunigt ihre Flucht. Da entdeckt Narcisa im Schnee große runde Spuren: Bärentatzen! Die Tiere suchen Nahrung und kommen immer weiter zum Dorf hinunter. Die Mädchen kreischen vor Angst. Wir singen ein Lied, angeblich laufen die Bären weg, wenn sie Menschenstimmen hören.
Bald sind wir aus dem Nebel heraus und fühlen uns wie in einer anderen Welt. Die Sonne strahlt und bringt die erste Frühlingsluft in unsere Herzen. Eine Schafherde weidet auf dem Gelände, die wuscheligen Hirtenhunde bellen pflichtbewusst und rasen auf uns zu. Dreizehn große Viecher umringen uns. Sie kennen uns inzwischen, wir sind keine Bedrohung mehr für ihre Schafe. Unter ihnen ist auch Gruia, dessen Zähne sich einmal in meine Wade verirrt haben. Längst sind wir Freunde geworden, er begleitet uns in der Hoffnung auf ein Stück Wurst. Und da sehen wir schon die Cabana. Jetzt fangen alle Kinder zu laufen an, denn wer zuerst ankommt, darf sich etwas wünschen. Der Ausblick auf die Karpaten ist traumhaft. Von hier oben scheinen alle quälenden Probleme und Fragen klein. In der Hütte ist es kalt. Wir holen Holz und heizen ein. Alle helfen mit, selbst die Kleinen, die zuhause nicht einmal einen Tisch haben. Als die Würste gebraten sind, wird die wilde Bande still. Aufrecht und elegant sitzen sie da und beten, Gruia liegt zu meinen Füßen unter dem Tisch. Wenn uns auch die ungezähmte Horde oft überfordert – die Kinder in der Cabana sind eine Wonne, die mich für die nächste Woche stärkt.

Einen Ort der Wonne gab Gott dem Menschen. Er ließ ihn nicht allein, sondern schenkte ihm eine Umgebung, die ihm das Leben ermöglichte. Er pflanzte „in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte“. Geografisch vermutet man den Garten im Zweistromland, aber Eden ist eher symbolisch zu verstehen. Es bedeutet „Ort der Wonne“. Gott ist der Gärtner und gibt seinem Geschöpf Geborgenheit und Genuss in einem gepflegten Garten, wie ich ihn auf der Cabana mit den Kindern erlebte. Durch Tischkultur und Freundschaft fließt der „Strom der Wonnen“ in unser Zusammensein (Ps 36,9). Ich höre das Wort aus dem Hohenlied: „Esst, Freunde, trinkt, berauscht euch an der Liebe!“ (Hld 5,1c) Im biblischen Bild sind die Liebenden selbst der Garten, wenn die Frau den Mann einlädt: „Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse von seinen köstlichen Früchten.“ (Hld 4,16b) Solche Orte und Stunden geben mir ein Zuhause. Und noch mehr denen, die heimatlos sind: den verwilderten Kindern.

29. März 2019
von Max Heine-Geldern SJ
Auf der Suche nach Leben

Die Ehre Gottes ist der lebende Mensch. (Irenäus von Lyon)

„Da formte Gott, der HERR, den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“
Gen 2,7

Die Ehre Gottes ist der lebende Mensch. (Irenäus von Lyon)

„Da formte Gott, der HERR, den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“
Gen 2,7

In seiner Heimat konnte Fahad nicht atmen. Seine Liebe zu einer Christin wurde ihm zum Verhängnis. Schnell kursierte das Gerücht, er wolle zum Christentum konvertieren. Es folgten Drohungen und Schläge. Der junge Moslem musste fort von zu Hause. Doch selbst Pakistan war nicht groß genug, um dem engen Korsett zu entfliehen. Er hätte sich verstellen müssen, um hineinzupassen. So begann für den Teenager eine mehrjährige Odyssee, bis er in Österreich erstmals wieder auf festen Boden traf. Er suchte um Asyl an. Während der Zeit des bangen Wartens tauchte er im Innsbrucker Jugendzentrum der Jesuiten auf. Inzwischen war Fahad ein junger Mann geworden. Seine Flucht hatte Spuren hinterlassen. Doch durch sie strahlte eine lebendige Freude hindurch. Wo es ging, packte er an, schloss Freundschaften und verzauberte die Jugendlichen mit seinen Kochkünsten.
Sein Antrag wurde abgelehnt. Er legte Berufung ein, wissend um seine geringen Chancen. Vermutlich wären sie weitaus größer gewesen, hätte er sich taufen lassen. Doch eine solche Täuschung würde sich wieder wie ein Korsett anfühlen. Er will einfach als freier Mensch leben können.
Die zweite negative Antwort warf ihn zurück. Erneut brach er auf und schlägt sich seitdem illegal quer durch Europa. Wird beraubt, ausgenützt und fällt. Steht wieder auf, sucht sich Arbeit und kämpft weiter. Ohne Wut erzählt er von seinen Schicksalsschlägen. Voller Dankbarkeit spricht er von den Menschen, die ihm Arbeit geben und ihn respektieren. Das sind Momente, die ihm Leben einhauchen. Ebenso wie die Musik. Vor allem die Texte des Rappers Tupac zitiert er häufig:

„Who do you believe in?
I put my faith in God, blessed and still breathin‘
And even though it’s hard, that’s who I believe in
Before I’m leavin‘, I’m askin‘ the grievin‘
Who do you believe in?”

Fahad ist sich der Quelle seines Atems bewusst, wie sie im Bibelvers beschrieben ist. In der Berührung haucht Gott dem Menschen Leben ein und bekommt so Bodenhaftung. Der Mensch antwortet, indem er lebt, ohne sich zu verstellen. Wahrhaftig keine leichte Aufgabe. Für Fahad heißt es, ständig auf der Flucht zu sein. Auf diesem Weg fühlt er sich Gott verbunden und realisiert dabei die Worte von Tupac:

“But for sure, the higher power
Resides only to ride in the heart of the true
From the soul, of the man; for truth never has an alibi
In the poetry, or in it’s realm.”

22. März 2019
von Ruth Zenkert
Hoffnungsträger

Wo sehe ich fruchtbaren Boden, Samen, der schon keimt? Wo braucht es meine Zuwendung? Wo lohnt sich der Einsatz?

Gott, Der HERR, hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen und es gab noch keinen Menschen, der den Erdboden bearbeitet, aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Erdbodens.
Gen 2,5-7

Wo sehe ich fruchtbaren Boden, Samen, der schon keimt? Wo braucht es meine Zuwendung? Wo lohnt sich der Einsatz?

Gott, Der HERR, hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen und es gab noch keinen Menschen, der den Erdboden bearbeitet, aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Erdbodens.
Gen 2,5-7

Mitarbeiter gesucht! Für unser Schülerheim brauchten wir eine Leitung, die es verstand, Jugendliche vom Dorf, die in die große Stadt kamen, zu betreuen. Ich dachte an einen Freund, dem ich das zutraute. Matei mag besonders die Schwierigen, weiß sie zu bändigen, mit Humor zu nehmen. Sie vertrauen sich ihm an, und er zeigt ihnen Respekt, wenn er sie mit „Meister“ oder „Amerikaner“ anredet, zwei Titel, die in Rumänien begehrt sind. Viele der Schützlinge sind mit ihm in Verbindung, auch wenn sie schon selbständig ihren Weg gehen.
So fragte ich Matei, ob er zu uns kommen wolle. Er fand das Angebot verlockend, denn sein jetziger Job biete ihm keine Entwicklung. Eine Kollegin habe er so aufgebaut, dass sie ihn leicht ersetzen könne. Er suche eine Aufgabe, an der er wieder wachse. Matei kam zum Gespräch. Als wir miteinander redeten, läutete ständig sein Telefon. Viel Administratives, das ihn langweilte. Ein Jugendlicher sagte, er müsse heute einen Arbeitsvertrag vorlegen, sonst müsse er zurück ins Gefängnis. Matei telefonierte mit einer Reinigungsfirma, mit dem Richter, mit dem hilflosen Schützling. Dann wies er ihn noch ausführlich an, wie er den Weg zum richtigen Beamten finde, um die Arbeitsbestätigung abzugeben. Und den Beamten informierte er, dass der Bursche schon unterwegs sei. Mit welcher Hingabe er sich ums letzte Detail kümmerte! Seine Nähe zu dem Schützling und sein Erfolg bei der scheinbar unmöglichen Aufgabe überzeugten mich noch mehr, dass Matei der richtige Kandidat für unser Schülerheim war. Auch ihm gefiel die neue Aufgabe, bei der er wieder näher bei den Menschen sei und Neues aufbauen könne. Bei der Frage allerdings, wann er anfangen könne, zeigten sich Hindernisse: seine Familie, die Wohnung und die Schützlinge, von denen er sich doch schwer trennte. Wie kann ich Matei gewinnen?

Ich muss weiter werben, bis ich in meinem Wunschkandidaten die Kraft erwecke, sich für die Schüler einzusetzen, die seine Begleitung brauchen. Wenn er sie kennenlernt, wird er vielleicht den Sprung wagen und aufbrechen – und seine Arbeit der Kollegin übergeben. Ich musste an den Rat eines Unternehmers denken: Mit jemandem, den er als Führungskraft haben möchte, sucht er oft ein Jahr und länger die Nähe, bis er sich sicher ist, dass derjenige der Richtige ist.

Wie gute Kandidaten bedürfen auch die Pflanzen, die Gott nach der ersten Schöpfungserzählung schon geschaffen hat, der Pflege durch den Menschen. Gott sucht die Mitarbeit des Menschen, damit aus der Erde ein Garten wird. Die zweite Schöpfungserzählung beschreibt, wie alles schon da ist, in den Wurzeln, aber noch nicht entfaltet. Der Mensch bringt nun Dynamik in die Welt. Er arbeitet auf dem Feld und bittet um Regen, um den Segen des Himmels. Dann erst wachsen die Feldsträucher und Feldpflanzen. So werde ich die Freundschaft mit Matei pflegen und für ihn um Mut beten, seiner Berufung zu folgen.

Hoffnungsträger. Wo sehe ich fruchtbaren Boden, Samen, der schon keimt? Wo braucht es meine Zuwendung? Wo lohnt sich der Einsatz?

15. März 2019
von Josef Steiner
Ein besonderer Tag – herausgehoben und schön, geformt und anstrengend.

Wie schaut mein Sonntag aus?

Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk erschaffen hatte.
Gen 2,3

Wie schaut mein Sonntag aus?

Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk erschaffen hatte.
Gen 2,3

Kindheitserinnerungen. Der Samstagabend. Unabhängig davon, was unser Vater in der Hand hielt – beim Mähen die Sense, beim Heumachen den Rechen, beim Holzhacken das Beil, beim Getreidedreschen den Flegel –, wenn am Samstagabend um fünf Uhr die Kirchenglocken den Sonntag einläuteten, legte er sofort alles aus der Hand. Feierabend, die Arbeit einer Woche war getan, der Sonntag begann. Ein Tag der Ruhe, der Erholung an Leib und Seele. Für uns Kinder kam am Samstagabend die Stunde der Reinigung. In der Stube war ein großer hölzerner Waschtrog – im Dialekt „Schaffl“ genannt – aufgestellt. Mit der Ältesten beginnend, wurden wir alle von der Mutter mit einer selbstgemachten Talgseife eingeseift, mit einer harten Bürste abgerieben, gewaschen und mit einem rauen, aus Hanf gewebten Tuch abgetrocknet. Ich kam als Sechster an die Reihe. Das Wasser hatte schon eine gewisse Färbung. Eigenartig empfunden wurde das Nacktsein. Sonst streng tabuisiert und verschwiegen, wurde es beim Baden kindhaft spürbar. Und im Gegensatz zu dem während der Woche immer gleichen Abendessen, bestehend aus Kartoffeln und Milch, gab es am Samstagabend meist etwas Süßes. Den Osttiroler „Blattlstock“, aufeinandergeschichtete Palatschinken, mit Zucker und Mohn bestrichen, oder „Schlipfkrapfen“, eine Art Teigtaschen, gefüllt mit Mohn oder Kartoffeln. Der Samstagabend – herausgehoben und schön.

Der Sonntag. Für unseren Vater war er ein absolut heiliger Ruhetag. Einmal herrschte während der Erntezeit vier Wochen lang schlechtes, regnerisches Wetter. Nie konnte man das gemähte Gras trocken in die Scheunen bringen, außer an einem sonnigen Sonntag. Der Dorfpfarrer erlaubte den Bauern, ausnahmsweise an diesem Sonntag zu arbeiten. Für unseren Vater kam das nicht in Frage. Vor seinem Sterben mit vierundneunzig Jahren sagte er nicht ohne Stolz: „Nie habe ich in meinem Leben die Sonntagsruhe gebrochen. Und – hat es uns etwa geschadet? Wurden wir dadurch ärmer?“ War der Vater während der Woche ein geselliger, humorvoller, lockerer Mann, so wurde er am Sonntag ernster, frömmer. Beim Mittagessen bei Speckknödeln und Kraut versuchte er uns Kindern oft die Gedanken aus der Predigt des Pfarrers näher zu bringen. Meist moralische Ermahnungen, Aufruf zu Fleiß, Tüchtigkeit und Keuschheit. Für uns Kinder war der Sonntag überhaupt eher anstrengend. Zweimal in die Kirche, um sechs Uhr in die Frühmesse, um acht Uhr in das „Amt“. Und am Nachmittag in die ungeliebte Andacht, wenn andere Kinder im Winter Schifahren gingen oder im Sommer Fußball spielten. Später, als wir größer wurden, zog es uns am Sonntag mehr in die Gasthäuser, in denen wir manchen Abend verbrachten. Auf die Ermahnung der Mutter „Wie dein Sonntag, so dein Sterbetag!“ entgegnete ich: „Wäre gar nicht so schlecht, im Gasthaus zu sterben.“ Der Sonntag – geformt und anstrengend. Kindheitserinnerungen.

Die Bibel schildert den siebten Tag, für Juden der Schabbat, für Christen der Sonntag, als Feiertag Gottes. Er gibt seinem Werk Ansehen und feiert es. Dieser Tag birgt und bringt Segen, wenn man ihn heiligt, heraus nimmt aus den übrigen Tagen. Wie schaut mein Sonntag aus?

7. März 2019
von Ruth Zenkert
Göttlicher Rhythmus – sechs mal machen, einmal aufhören

Wie halten wir es mit dem Sonntag? Womit hören wir auf, um am Montag mit neuer Kraft anzufangen?

Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.
Gen 2,2

Wie halten wir es mit dem Sonntag? Womit hören wir auf, um am Montag mit neuer Kraft anzufangen?

Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.

Gen 2,2

Auf der einen Seite lautes Jubelgeschrei und Luftsprünge, auf der anderen ein enttäuschtes „Nu se poate!“ Das kann doch nicht wahr sein! Angi knallte ihren Schläger so fest auf die Tischtennisplatte, dass fast der Griff absprang. Das Match war so spannend, dass alle anderen von ihren Spielen abgelassen und zugeschaut hatten. In den Runden davor hatten sie gekämpft, um möglichst in die Endrunde zu kommen. Sieger des Abends war Bogdan, der jüngste Lehrling in der Tischlerei. Als Anfänger und klein von Statur musste er sich in der Arbeit immer beweisen, meistens musste er die Laufdienste und lästigen Aufträge erledigen. Heute Abend aber war er der Gewinner, den alle bewunderten. Angi forderte Revanche, die würde es nächste Woche geben. Dann würde Bogdan zeigen, ob er unschlagbar war. Nun saßen sie noch zusammen, hörten laute Musik, tanzten, vergnügten sich, bis es Mitternacht war.

Jeden Freitagabend, nach einer anstrengenden Arbeitswoche, öffnet der „Club E“ seine Tore. In Hosman, einem abgelegenen Dorf, gibt es keine Möglichkeit, sich am Abend zu treffen, außer in der Dorfbar, wo schon zu Mittag alle betrunken sind. Zunächst war es eine Idee der ausländischen Volontäre, die bei uns leben. Wie sollten sie das Wochenende verbringen? Mit Tischfußball begann es. Dann kamen immer mehr Jugendliche und Freunde aus dem Dorf dazu. Wir stellten ihnen einen Raum zur Verfügung, dann noch einen. Inzwischen ist das Freitagabendtreffen zum Club geworden, in dem unsere Lehrlinge, die Jugendlichen im Dorf, die Volontäre und die Mitarbeiter zusammenkommen. Angi ist die Chefin für die Mädchen im Garten, am Freitagabend ist sie mit ihren Schützlingen im Club. Dann lassen sie ihre Pflänzchen in Ruhe wachsen; jetzt geht es um die Freude, miteinander zu sein, Freundschaft zu leben, sich im Spiel zu messen. Keiner mehr ist müde, im Gegenteil, durch die Begegnungen im Club E wachsen Energien für die Arbeit der nächsten Woche.

Es ist wichtig, einmal mit der Arbeit aufzuhören, um sich auszuruhen. Gott hat das nicht nötig, aber er gönnt uns die Ruhe, weil wir sie brauchen. Um wieder neu anzufangen, weiterzumachen. In der Schöpfungsordnung gibt Gott dem Menschen das Modell dafür vor, wenn es heißt: „Er hörte auf am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte“ (Übers. G. Fischer). Aufhören wird als aktives Handeln Gottes dargestellt. Für uns bedeutet es auch, anderen Verantwortung zu übergeben, zu rechnen mit der Mitarbeit von anderen und mit der Gnade Gottes, nicht nur mit dem eigenen Machen. Ich darf ruhen, obwohl noch viel zu tun bleibt. Sechs Tage machen und einen Tag aufhören: Diesen Rhythmus schenkt uns Gott mit dem siebten Tag. Daraus wurde der Schabbat, an dem die Regeln für den Menschen praktisch ausformuliert wurden. Für uns in Hosman beginnt er am Freitagabend in unserem Jugendclub.

Wie halten wir es mit dem Sonntag? Womit hören wir auf, um am Montag mit neuer Kraft anzufangen?

1. März 2019
von Max Heine-Geldern SJ
Der vollendete Beginn

Über den feierlichen Moment zwischen Geschaffenem und Neuem.

So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet.
Gen 2,1

Über den feierlichen Moment zwischen Geschaffenem und Neuem.

So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet.

Gen 2,1

Es war vollbracht. Kaum war der letzte Handgriff getan, trafen die ersten Gäste ein. Afrikanische Musik erklang, gut hundert Kinder liefen umher und feierten zusammen mit zwanzig müden jungen Erwachsenen. Mitten im Township Orangefarm, unweit von Johannesburg, stachen wir Österreicher wie Aliens hervor, und auch der neu errichtete Kindergarten glich einem Ufo. Weit und breit war es das einzige Gebäude mit einem zweiten Geschoß. Es bot einen atemberaubenden Weitblick über die flache Gegend, wo man den Eindruck hatte, als würden Himmel und Erde sich berühren. Die südafrikanische Sonne nahm mit ihrem besonders warmen Licht den umliegenden Wellblechhütten etwas von ihrer Härte.

Vor sechs Wochen waren wir Architekturstudenten von Wien aufgebrochen. Davor hatten wir wochenlang gemeinsam geplant. Mit den ausgedruckten Plänen und Modellen sowie viel jugendlicher Motivation wollten wir binnen kürzester Zeit das Gebäude errichten. Die Vorgaben und notwendigen Informationen erhielten wir von einer Dachorganisation, die in dem Township systematisch die Infrastruktur entwickelte. Während der Apartheid gab es nämlich in diesen umliegenden Siedlungen weder Bildungs- noch Versorgungseinrichtungen. Sie wurden bewusst abhängig von der Stadt gehalten.

Wir begannen im Februar und kämpften von Beginn an gegen die Zeit. Starker Regen verzögerte die Fundierung. Zudem war nicht klar, wo die Grundstückgrenzen verliefen. Schließlich legten wir sie mit unseren Fundamenten fest. Auf festem Grund wuchs zügig der Holzbau. Für viele Bewohner war der Anblick arbeitender Weißer, wenn nicht verwirrend, dann zumindest belustigend. Verärgerte Reaktionen erlebten wir keine. Besondere Beachtung erregte die zweischalige Wellblechverkleidung, die nicht nur das Gebäude vor der Witterung schützen sollte, sondern durch den erzeugten Hohlraum eine kühlende Luftzirkulation bewirkte. Bis zum Schluss blieb die Farbwahl offen. Das war ein delikater Punkt, da half keine noch so ausgeklügelte Architekturtheorie. Mehrere Tage dauerte die emotionale Diskussion, bis wir uns auf zwei Farbflecken in Orange und Grün einigen konnten. Der Rest des Gebäudes blieb naturfarben.

An diesem frühen Abend war für uns die Arbeit vollendet. Und wir waren sehr stolz auf das Geschaffene und gespannt auf seine Annahme. In dieser Übergangsphase feierten wir mit den zukünftigen Nutzern. Vor allem die Rutsche, die steil vom ersten Stock herunterführte, zog die Kinder wie ein Magnet an. Die Schlange und das Jauchzen wollten nicht abreißen. Ihre Mütter freuten sich über die große Küche. Der Kindergarten bot genügend Raum für die Menschen, um sich auszubreiten.

Nach sechs Tagen hat Gott Himmel und Erde mit allem, was für das Leben notwendig ist, vollendet. Der Raum ist bereit für weitere Entfaltung, für Beziehung und fordert zur Mitgestaltung. In seiner Vollendung steckt der Beginn von Neuem.

Ein Jahr später erhielten wir Fotos vom Kindergarten. Überall waren spielende Kinder zu sehen. Und nirgends ein farbloser Fleck: Rot, Grün, Blau, Gelb wechselten sich spielerisch ab. Das Gebäude war wahrlich angenommen und weitergestaltet worden.

 

22. Februar 2019
von Ruth Zenkert
Glückliche Umstände

Familie, Beruf, Friedenszeit. Doch dein Glück musst du dir selbst erwerben.

Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.
Gen 1,31

Familie, Beruf, Friedenszeit. Doch dein Glück musst du dir selbst erwerben.

Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.

Gen 1,31

Rauschender Applaus belohnte die jungen Musiker. Seit vier Monaten hatten sie sich zusammengetan und unter der Leitung von Ali Zigeunermusik einstudiert. Heute hatten wir ein erstes Konzert vor großem Publikum gegeben. Die tägliche Arbeit, der Kampf um die Disziplin beim Proben, um die Genauigkeit bei Rhythmus und Zusammenspiel hatte sich gelohnt. „Ali Baba und die 40 …“ nennt sich unsere Musikgruppe. Ali steht für den Leiter Ali. Baba heißt auf rumänisch Oma, das bezeichnet mich. Die Vierzig, das sind die Jungen. Lassen wir offen, ob sie Musiker sind. Sie sind jedenfalls auf dem besten Weg, nicht Räuber werden zu müssen.

Als wir nach mehrmaligen Zugaben und Verneigungen unsere Instrumente einpackten, war euphorische Stimmung. Stolz, Glück und mutige Träume von einer Tournee und CD-Aufnahmen knisterten in der Luft, strahlende Gesichter. Und bei den Burschen die dringende Frage, ob sie jetzt etwas zu essen bekommen. Auch ich war in dem Moment selig. Dass Ali in so kurzer Zeit Schüler gefunden hatte, dass er so gewachsen war in der Leitung, mit viel Geduld und Einfühlsamkeit. Dass die Schülerinnen so begeistert und schnell gelernt hatten. Dass noch Neue dazugekommen waren. Mein größter Wunsch war, dass sich unsere Musikgruppe mit dieser Energie weiterentwickelt.

Meine Mitspieler waren schon davongestürmt. Ich brauchte länger, denn als einzige reinigte ich mein geliebtes Saxophon. Und als einzige musste ich den furchtbaren Notenständer wieder zusammenbasteln. Nicht nur wegen der komplizierten Mechanik hasse ich ihn. Auch weil ich die einzige bin, die mit Noten spielt. Die Jungen hören die Melodie – und spielen sie auswendig. Unmöglich für mich. Sie spielen locker und in unfassbarer Geschwindigkeit. Ob ich jemals diese schnalzenden Töne in der Zigeunermusik, für die es kein deutsches Wort gibt, beherrschen werde? Ob ich einmal das Sandala-Stück ganz mitspielen kann? Bei den schnellen Phasen musste ich aussetzen. Auf den Wogen des Erfolgs von Ali Baba schwebte ich nach Hause, – ich, die Baba, mit dem Ehrgeiz, weiter zu üben, bis ich das Sandala schaffe. Und dankbar, dass sie mich mitspielen lassen.

Wie ich in der Erfolgsstimmung auf die Monate vor dem Konzert zurückblicke, so ähnlich, denke ich mir, schaut Gott nach fünf Schöpfungstagen auf seine Arbeit. Es heißt: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.“ Jetzt, am sechsten Tag, stellt er fest, dass die Schöpfung als Gesamtwerk sehr gut ist. An den vorangegangenen Tagen heißt es: Und Gott sah, dass es gut war. Gestirne, Tiere und Pflanzen sind gut, so wie sie sind. Nur an dem Tag, als er den Menschen erschafft, bleibt die Qualität offen. Der Mensch ist nicht gut, er kann gut werden. Durch sein Denken und Tun wird es sich erweisen.

Das gelungene Konzert, unsere Musikband, sind mein Glück, obwohl ich selber noch nicht mitkomme. Betrachte deine glücklichen Umstände – Familie, Beruf, Freunde. Wo musst du dich anstrengen, damit es auch zu Deinem Glück wird?

15. Februar 2019
von Josef Steiner
Unter einem Dach

Mit Tieren leben und für sie sorgen

Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es.
Gen 1,30

Mit Tieren leben und für sie sorgen

Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es.

Gen 1,30

Kindheitserinnerungen. Menschen und Tiere unter einem Dach, Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude – bei uns hieß es seiner hauptsächlichen Bestimmung entsprechend „Futterhaus“ – nur durch einen schmalen, fensterlosen, finsteren Gang getrennt. Beim Eingang des Stalles links die Schweine, Mutters Lieblingstiere. In der Speisekammer neben der Küche stand ein großes hölzernes Gefäß, in dem alle essbaren Speisereste, vor allem Kartoffeln, Rüben, Getreide, Obst, Gemüse, als Futter für sie gesammelt wurden. Es ging ihnen gut. Aber einmal im Jahr, in der kalten Winterzeit, kam für das größte von ihnen der Tag der Schlachtung. Ein Trauertag für die Mutter. Als wir Kinder größer wurden, durften wir von einem Fenster der Stube aus zuschauen. Wie der Vater und der Metzger, ein liebenswerter und sanfter Onkel, das fürchterlich laut greinende Schwein aus dem Stall in den kalten Schnee zerrten; wie der Onkel den Schussapparat auf die Stirn des Schweines setzte, ein Knall und es lag mit allen Vieren auf dem Schneeboden. Wenn wir am Abend des Schlachttages ein Schnitzel aßen, wussten wir, wer dafür sein Leben hatte geben müssen.

Neben den Schweinen, den größeren Teil des Stalls einnehmend, Kälber, Rinder und fünf Kühe, Pinzgauer Rasse. Jede Kuh hatte einen Namen und einen ausgeprägten Charakter, der uns Kindern besonders beim Hüten auffiel. Die „Elsa“ ein zähes Luder, die sich auch nicht durch zornige Schläge eines Kindes zu einer schnelleren Gangart treiben ließ. Dagegen die „Braune“, die schönste von allen, selbstbewusst und anhänglich, auf ihr durften wir Kinder sogar reiten. Wieder anders die „Wanda“, ein rauflustiges Tier, aggressiv und bockig. Von den Kühen bekamen wir Milch, Butter und Käse für den Alltag, manchmal beim Verkauf eines schönen Rindes auch etwas Geld. Für sie mussten wir die Hauptarbeit auf dem Bauernhof verrichten. Zweimal im Jahr  die Grasfelder im Tal mähen, das Heu zum Trocknen aufhängen und im Heustadel lagern. Alles mit der Hand und ohne technische Hilfsmittel. Das Leben mit den Kühen benutzen die Eltern auch, um uns in die Geheimnisse von Zeugung und Geburt einzuführen. Unvergesslich das Erlebnis bei der Geburt eines Kälbleins, wie der Vater um die sich langsam zeigenden Vorderfüße, zwischen denen der Kopf des kleinen Tieres herauslugte, ein dünnes Seil wand und kräftig ziehend Geburtshilfe leistete. Wie das Kalb in die Kuh kam, wurde uns durch die Mitnahme zur Besamung beim Gemeindestier zu vermitteln versucht. Es war interessant zuzuschauen, aber wozu, wurde mir nicht klar. Und geredet wurde ja nicht. Erinnerungen an ein unaufgeregtes Miteinander von Menschen und Tieren, an gegenseitiges Geben und Nehmen.

Die Bibel bezeugt Gottes Fürsorge für die Tiere. Der Ertrag des Landes soll ihnen zur Nahrung dienen. Legebatterien und Käfigeier, Schlachthäuser und Schlachthöfe sind ihr ebenso fremd wie saisonale Designerkleidung für Hunde und Gourmet Menüs für Katzen.