Ein Fest des verschmitzten göttlichen Augenzwinkerns

Gott hat keine Angst, in diese Welt zu kommen. Er kann sich in unser Leben hineinstehlen, sich hineinschmuggeln.

Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Matthäus 1,19

 

„Du verliebst dich in jemanden, dann bist du schwanger, eine ganz normale Geschichte“, sagt Johanna. „Er will das Kind nicht haben, sagte mein Freund, ich soll es wegmachen, ganz einfach. ‚Wenn du das Kind bekommst, verlasse ich dich.‘“ Finanziell war Johanna nicht unabhängig, tausend Probleme taten sich auf. Als einziger Weg, um die Beziehung zu retten, blieb die Abtreibung. Johanna ging zum Arzt und nahm die Prozedur auf sich. Die Überraschung einige Wochen später: Das Kind hatte überlebt. Versuch gescheitert. Johanna fasste das Unglaubliche als Botschaft auf – das Kind will leben – und beschloss, es zur Welt zu bringen. Ihr Freund verließ sie. Die Belastungen wurden enorm. Den Lebensunterhalt aufbringen, die familiären Spannungen aushalten, das Kind versorgen, daneben beruflich irgendwie weiterkommen, um eine Zukunft aufzubauen. „Mein Sohn ist sehr verstört auf diese Welt gekommen. Man hatte ihn umbringen wollen. Aber ich habe viel mit ihm daran gearbeitet, mit aller Liebe, und heute ist er, Gott sei Dank, ein gesunder Junge. Das Kind ist eine große Herausforderung, die mich manchmal an den Rand der Existenz bringt. Aber er hat mein Leben gerettet. Ohne ihn wäre ich irgendwie gestorben, zumindest innerlich. Und natürlich möchte ich ihn keine Sekunde missen. Mein Leben ist so viel reicher geworden. Auch wegen der Herausforderung.“

Ivana Rauchmann hat Erfahrungen junger Frauen rund ums Kinder(-nicht-)bekommen gesammelt und ein Theaterstück daraus gemacht: „Aus Spaß wird Ernst.“ Sie führt es an Schulen und für Jugendgruppen auf, geht dann in die Diskussion mit den Mädchen und Burschen. Sie ist die letzte, die verurteilt, sie kennt alle Seiten. Aber sie ist überzeugt, das Thema muss diskutiert werden. Es geht um Autonomie, um Gewissen, um Menschenleben. (http://www.european-cultural-news.com/aus-spass-wird-ernst-brick5-jugendtheater/11116/)

Als Gott gedachte, Mensch zu werden, ging aus menschlicher Sicht so ziemlich alles schief, was schiefgehen konnte. So erzählen es uns jedenfalls die Evangelien. Der Freund der Mutter war nicht der Vater, das Kind kam nicht daheim zur Welt, es gab nicht einmal ein ordentliches Dach über dem Kopf. Hundselend ist es den Eltern gegangen, nichts mit Idylle. Unter den Urgroßmüttern war eine Ausländerin und, naja, sogar eine „leichtlebige Dame“. Die Welt war ein Tohuwabohu. Doch das Einzige, was zählt, ist der neue Mensch. Ein gesunder Junge. Ein Lebensretter. Gloria in excelsis Deo. Von Engeln umflogen, von Hirten besungen, von Königen beschenkt. Von unendlichem Wert, das Aufstrahlen des Göttlichen in dieser Welt.

Weihnachten macht Mut. Gott hat keine Angst, in diese Welt zu kommen. Wenn, dann kommt er genau in diese, in unsere Welt. Gott kommt durch das Unerwartete, das unordentlich, vielleicht sogar unanständig erscheint. Weihnachten ist das Fest des verschmitzten göttlichen Augenzwinkerns. Gott kann sich in unser Leben hineinstehlen, sich hineinschmuggeln, in unser Land immigrieren, sozusagen, auch dort, wo wir es am wenigsten vermuten.