Menschen bei Elijah

Deborah

Seit Juni wohne ich nun in Hosman, in einer der Wohngemeinschaften ELIJAHs. Es ist schon viel passiert und ich werde beinahe überflutet von neuen Eindrücken. Schönen und motivierenden, und solchen, die mich immer wieder traurig stimmen und zum Nachdenken bringen. Meine Aufgaben liegen im Sozialzentrum „Casa Paul“. Von Morgens bis zum späten Nachmittag können hier dreißig Kinder täglich einen geschützen Raum zum Spielen und Lernen, sowie ein Mittagessen genießen. Hier werden sie, wenn nötig, geduscht und erhalten saubere Kleidung. Es ist auf der einen Seite so schön, die Kinder mit ihren Begabungen beobachten zu können. Auf der anderen Seite, ist es aber auch wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass diese Kinder sobald sie das Zentrum verlassen, eine Welt betreten, in der sich meist niemand ihrer Talente annimmt. In der Musikschule, in der ich mit Jugendlichen musiziere, sehe ich die Früchte unserer Arbeit. Es macht mich sprachlos, wie aufnahmefähig die Saxofonisten und Akkordeonspieler im Unterricht sind und ohne Noten Melodien in atemberaubender Geschwindigkeit zum Besten geben. Einmal die Woche begleite ich eine Mitarbeiterin in die Häuser verschiedener Familien im Dorf. In diesen zwei Stunden sammle ich die wohl traurigsten Eindrücke meiner Zeit hier. Großfamilien auf engstem Raum, unerträgliche Gerüche, Dreck und Müll. Und viele Berichte von schlimmen Schicksalen. „Woher nimmst du die Motivation, jeden Morgen aufzuwachen und dich erneut dieses Elends anzunehmen“, wurde ich gefragt. Ich habe hier mehr und mehr gelernt, nicht der Versuchung zu verfallen, mich herunterdrücken zu lassen, sondern wieder aufzustehen und mir zu sagen: „Gib, was du hast!“ Ein Lächeln, eine liebevolle Umarmung, ein offenes Ohr, praktische Hilfe oder eben die Musik. Es ist nicht viel, aber wenn jeder etwas gibt, können wir viel erreichen.

Einige Mitarbeiter von Elijah